Unser diagnostischer Ansatz - für Ärzte und Heilpraktiker
Differenzialdiagnostik bei chronischen Beschwerden
Unser diagnostischer Ansatz — für Ärzte und Heilpraktiker
Warum einzelne Tests bei chronischen Beschwerden nicht reichen
Chronische Müdigkeit, Gelenkschmerzen, neurokognitive Einschränkungen, Konzentrationsprobleme, unerklärliche Schwäche – Patienten mit solchen Beschwerdebildern haben oft eine lange Odyssee hinter sich. Einzelne Laborwerte wurden geprüft, einzelne Verdachtsdiagnosen verfolgt, einzelne Therapien versucht. Häufig ohne durchschlagenden Erfolg.
Das liegt selten an mangelndem Engagement der Behandler. Es liegt daran, dass chronische, unspezifische Beschwerdebilder fast immer multifaktoriell sind. Eine Schilddrüsenstörung kann die Müdigkeit erklären, aber nicht die Gelenkschmerzen. Eine durchgemachte Infektion kann über neuroinflammatorische Prozesse sowohl Gelenkschmerzen als auch eine Depression auslösen – und eine chronische Infektion kann durchaus auch die Infektanfälligkeit erklären. Aber erklärt sie auch den Vitamin-D-Mangel, die Schilddrüsenunterfunktion oder die intestinale Permeabilität? Bei den meisten Patienten wirken mehrere Faktoren zusammen.
Genau hier setzt SaniMeus an: Wir bieten keine Einzeltests, sondern symptomorientierte diagnostische Profile, die chronische Beschwerdebilder systematisch und mehrdimensional abklären.
Welche Patienten zu uns kommen
Unsere Profile sind auf Patienten zugeschnitten, bei denen die Standarddiagnostik an ihre Grenzen stößt. Typische Konstellationen, die wir sehen:
Chronische Müdigkeit & Erschöpfung
Anhaltende Erschöpfung, die durch Schlaf nicht besser wird – mit Verdacht auf ME/CFS, postinfektiöse Fatigue, Immundefekte, Schilddrüsenstörungen oder Nährstoffmängel.
Neurologische & neuropsychiatrische Beschwerden
Konzentrationsstörungen, Brain Fog, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Kribbeln – inklusive Abklärung autoimmuner Enzephalitiden, Neurotransmitter-Stoffwechsel und neuroaktiver Infektionen.
Gelenkbeschwerden unklarer Genese
Arthralgie und Myalgie ohne klare rheumatologische Diagnose – mit Abklärung von reaktiven Arthritiden, Autoimmunerkrankungen, Infektionen und metabolischen Ursachen.
Postinfektiöse Syndrome
Anhaltende Beschwerden nach Borreliose, EBV, COVID-19 oder anderen Infektionen – systematische Abklärung von Erregerpersistenz, Autoimmunität, Organschäden und Komorbiditäten.
Wie wir diagnostisch vorgehen: Sechs Säulen statt Tunnelblick
Jedes unserer Profile – ob Chronische Müdigkeit, Neuroprofil oder Gelenkbeschwerden – ist nach demselben Prinzip aufgebaut: Mehrere diagnostische Achsen werden parallel beleuchtet, um das Beschwerdebild aus verschiedenen Richtungen einzugrenzen.
1. Infektiologie – breit aufgestellt
Nicht nur Borrelien, sondern ein systematisches Erregerspektrum: EBV, CMV, HHV-6, HHV-7, Bartonellen, Chlamydien, Mykoplasmen, Coxiellen, Yersinien, Toxoplasmose, Babesien, Borna-Virus und weitere – je nach klinischer Fragestellung. Viele chronische Beschwerdebilder werden durch Erreger verursacht oder unterhalten, an die initial nicht gedacht wird.
2. Autoimmunität
Viele postinfektiöse Beschwerdebilder haben eine autoimmune Komponente, die klinisch häufig übersehen wird. Unsere Profile umfassen ANA-Screening (ViraChip), ANCA, Antiphospholipid-Antikörper, Schilddrüsen-Autoantikörper, autoimmune Enzephalitis-Marker (NMDA, CASPR2, AMPA, LGI1, DPPX, GABA-B) sowie neuronale Antigene (Amphiphysin, CV2, PNMA2, Ri, Yo, Hu).
3. Schilddrüse, Hormone, Stoffwechsel
Müdigkeit, kognitive Einschränkungen und Stimmungsveränderungen können banale metabolische Ursachen haben. Wir bestimmen ein vollständiges Schilddrüsenprofil inkl. rT3, Cortisol, DHEA-S, Östradiol/Testosteron sowie den Tryptophan-Kynurenin-Stoffwechsel (IDO-Aktivität, Serotonin) – Parameter, die für die Differenzierung neuropsychiatrischer Beschwerden hochrelevant sind.
4. Mikronährstoffe & Darmgesundheit
Eisenstoffwechsel (inkl. löslichem Transferrin-Rezeptor), bioaktives Vitamin B12, Vitamin D, Folat, Vitamin B6, Omega-3-Index, Zonulin, I-FABP und CED-Marker (CIBD-Profil, ANCA) ergänzen das Bild. Chronische Darmentzündung und intestinale Permeabilität sind bei vielen Beschwerdebildern relevante Kofaktoren.
5. Entzündung – differenziert, nicht nur CRP
Chronische Entzündung (CRP/hs-CRP, IL-6, TNF-alpha, RANTES, SAA, Procalcitonin, Blutsenkung) wird qualitativ erfasst. Das ermöglicht eine Unterscheidung zwischen akuter Infektion, chronischer Niedriggradentzündung und Autoimmunaktivität – entscheidend für die therapeutische Konsequenz.
6. Humorale Abwehr & Immundefekte
Bei chronischer Müdigkeit und erhöhter Infektanfälligkeit klären wir Immunglobuline, IgG-Subklassen, Komplementaktivität (CH50, AP50) und Mannose-bindendes Lektin ab. Primäre und sekundäre Immundefekte werden häufig erst spät erkannt und sind bei vielen chronisch kranken Patienten ein relevanter Faktor.
Fokus: Postinfektiöse Syndrome – von Post-Lyme bis Long COVID
Ein besonderer Schwerpunkt unserer Diagnostik liegt auf Beschwerdebildern, die nach Infektionen persistieren. Ob nach Borreliose, EBV-Infektion, COVID-19 oder anderen Erregern – die klinischen Bilder überlappen sich oft erstaunlich stark: Fatigue, Brain Fog, Gelenkschmerzen, autonome Dysregulation. Die zugrunde liegenden Mechanismen können sich jedoch grundlegend unterscheiden.
Post-Lyme-Syndrom (PTLDS)
Wir sind als Labor mit einem Schwerpunkt in der Borrelien-Diagnostik bekannt. Wir halten eine persistierende Borrelien-Beteiligung bei chronischen Beschwerden weiterhin für möglich – die Forschung zu Erregerpersistenz, Biofilmbildung und immunologischer Evasion ist nicht abgeschlossen. Gleichzeitig haben wir aus Hunderten von Befundverläufen gelernt: Die Borrelien-Hypothese allein erklärt bei vielen Patienten nicht das vollständige Beschwerdebild.
Die Evidenz zur prolongierten Antibiose ist klar: Randomisierte Studien (Klempner et al., NEJM 2001; Berende et al., NEJM 2016) zeigen keinen Vorteil gegenüber Placebo. Das bedeutet nicht, dass die Patienten sich ihre Beschwerden einbilden – es bedeutet, dass die Ursache breiter gesucht werden muss.
Post-EBV und andere Herpesviren
EBV-Reaktivierungen, chronisch-aktive EBV-Infektionen und die Beteiligung weiterer Herpesviren (CMV, HHV-6, HHV-7) sind bei chronischer Fatigue gut dokumentiert. Unsere Profile erfassen IgG-Avidität, VCA-, EBNA- und EA-Antikörper differenziert, ergänzt um EliSpot-Diagnostik für HHV-7 – damit eine Reaktivierung nicht als „alte Durchseuchung“ fehlinterpretiert wird.
Long COVID / Post-COVID-Syndrom
Die Überlappung von Long COVID mit ME/CFS und anderen postinfektiösen Syndromen ist erheblich. Unser Profil „Chronische Müdigkeit“ deckt die relevanten Achsen ab: virale Persistenz und Reaktivierung, autoimmune Rezeptor-Antikörper (ß1/ß2-adrenerg, M3/M4-muskarinisch), Komplementdefekte, Entzündungsaktivität und Mikronährstoffstatus.
ME/CFS
ME/CFS ist eine schwere, chronische Multisystemerkrankung, die weit über „Müdigkeit“ hinausgeht. Die Diagnose ist klinisch, aber die Labordiagnostik spielt eine zentrale Rolle bei der Abgrenzung von Differenzialdiagnosen und der Identifikation behandelbarer Kofaktoren. Unser Profil berücksichtigt Immundefekte, autoimmune Mechanismen, Erregerbeteiligung und metabolische Faktoren parallel.
Unsere Methodik: Zelluläre Diagnostik transparent eingeordnet
Neben serologischen Verfahren (IFT, Immunoblot, ViraChip, EIA) setzen wir gezielt EliSpot-Assays ein – unter anderem für Borrelien, Mykobakterien, Aspergillus und HHV-7. Der EliSpot misst die T-Zell-Reaktivität gegen erregerspezifische Antigene und liefert damit eine Information, die die reine Antikörperdiagnostik nicht abbildet.
✓ Der EliSpot ist ein ergänzendes Werkzeug und kein Ersatz für die Stufendiagnostik (IFT + Immunoblot). Er kann eine aktive Infektion nicht sicher von einer immunologischen Erinnerungsantwort unterscheiden.
✓ Falsch-negative Ergebnisse sind möglich, insbesondere in späten Krankheitsphasen oder bei Immunsuppression. Wir kommunizieren diese Limitation aktiv.
✓ Die regulatorische Basis wird gestärkt: Die Firma AID als Hersteller der von uns verwendeten EliSpot-Produkte durchläuft aktuell die Validierung nach der europäischen IVDR-Verordnung.
✓ Kein Test steht bei uns allein. Jeder EliSpot wird im Kontext des Gesamtprofils interpretiert – zusammen mit Serologie, Entzündungsmarkern, Autoimmunparametern und der klinischen Präsentation.
Unsere Haltung: Evidenz ernst nehmen, Patienten nicht alleinlassen
Wir positionieren uns bewusst zwischen zwei Extremen. Es gibt Behandler, die jedes chronische Beschwerdebild auf einen einzelnen Erreger zurückführen und Langzeit-Antibiosen empfehlen – ohne ausreichende Evidenz. Und es gibt eine rein leitlinienorientierte Position, die postinfektiöse Beschwerden pauschal als „nicht erklärbar“ abtut und damit Patienten mit realen Symptomen alleinlässt.
Unser Weg:
✓ Wir nehmen die Evidenz zu Antibiotikatherapie, Erregerdiagnostik und Autoimmunmechanismen ernst – und passen unsere Empfehlungen an, wenn sich der Wissensstand ändert.
✓ Wir schließen keine plausible Hypothese vorschnell aus – dafür ist die Pathophysiologie chronischer Beschwerdebilder zu wenig verstanden.
✓ Wir liefern den einsendenden Behandlern eine breite, differenzierte Befundgrundlage und benennen transparent, was unsere Tests aussagen können – und was nicht.
Was uns auszeichnet
Symptomorientierte Profile
Unsere Anforderungsscheine sind nach Beschwerdebildern organisiert: Chronische Müdigkeit, Neurologische Beschwerden, Gelenkbeschwerden, Organprofile. So wird systematisch abgeklärt – nicht lückenhaft.
Screening & Vollanforderung
Budgetschonende Screening-Varianten testen zunächst die relevantesten Antikörperklassen. Bei auffälligen Werten kann gezielt nachgetestet werden – kein Blindflug, keine unnötige Belastung.
Erweiterte Befundung
Auf Wunsch erstellen wir erweiterte Befundberichte, die Ergebnisse klinisch einordnen und differenzialdiagnostische Hinweise geben – inklusive Verlaufsbeurteilung bei Kontrolluntersuchungen.
Fachärztliche Leitung
Dr. med. Kerstin Grutza (FÄ für Laboratoriumsmedizin, FÄ für Mikrobiologie, Virologie & Infektionsepidemiologie) und Dr. med. Bernd Staden (Leitender Arzt). Befundinterpretation durch Spezialisten.
Für Patienten: Was Sie von uns erwarten können
Wenn Sie unter chronischen Beschwerden leiden – ob nach einem Zeckenstich, nach einer Infektion, nach COVID oder ohne klaren Auslöser – verstehen wir, wie belastend das ist. Unser Ziel ist nicht, eine vorgefasste Diagnose zu bestätigen, sondern Ihnen und Ihrem Behandler eine fundierte Grundlage zu geben, um die tatsächliche Ursache Ihrer Beschwerden zu finden.
Das bedeutet: Wir untersuchen breit, ordnen transparent ein und benennen ehrlich, was unsere Tests aussagen können – und was nicht. Nicht jeder auffällige Befund ist eine Diagnose, und nicht jede Diagnose erfordert eine Antibiotikatherapie. Aber jeder Patient verdient eine gründliche Abklärung.