Aktuelle Neuigkeiten

Wenn Infektionen die Psyche beeinflussen: Die Rolle der Neuroinflammation

Datum: 24.06.2026

Patientinnen und Patienten mit Depressionen, Angstzuständen, Erschöpfung oder Konzentrationsstörungen werden häufig primär aus psychiatrischer oder psychosomatischer Perspektive betrachtet.

Doch was, wenn chronische Infektionen einen Teil dieser Beschwerden mit verursachen oder verstärken?

In den vergangenen Jahren hat die Forschung zunehmend gezeigt, dass anhaltende Infektionen über entzündliche Prozesse tiefgreifende Auswirkungen auf das Nervensystem haben können. Im Mittelpunkt steht dabei ein Mechanismus, der als Neuroinflammation bezeichnet wird.

Wenn das Immunsystem das Verhalten verändert

Bei chronischen Infektionen produziert das Immunsystem dauerhaft entzündliche Botenstoffe wie IL-1β, IL-6 oder TNF-α.

Diese lösen das sogenannte „Sickness Behavior“ aus – ein evolutionär sinnvolles Krankheitsverhalten, das den Körper zur Schonung anregen soll.

Typische Folgen können sein:

• Antriebslosigkeit
• Freudlosigkeit (Anhedonie)
• sozialer Rückzug
• Schlafstörungen
• Konzentrationsprobleme
• verminderte Belastbarkeit

Auffällig ist, dass diese Symptome nahezu vollständig mit den Kernsymptomen einer Depression überlappen.

Wenn Entzündung den Serotoninstoffwechsel verändert

Entzündungsbotenstoffe können auch das Gehirn beeinflussen.

Dort aktivieren sie unter anderem das Enzym Indolamin-2,3-Dioxygenase (IDO), welches den Baustein Tryptophan verstärkt in den sogenannten Kynurenin-Stoffwechselweg lenkt.

Die Folge:

• weniger Tryptophan für die Serotoninproduktion
• vermehrte Bildung von Kynurenin-Metaboliten
• erhöhte Produktion von Chinolinsäure

Chinolinsäure kann Nervenzellen überreizen und steht im Verdacht, neurotoxische Prozesse zu fördern.

Dadurch können Stimmung, Motivation, Konzentration und kognitive Leistungsfähigkeit beeinträchtigt werden.

Besonders interessant: Bei Patienten mit Neuroborreliose wurden erhöhte Konzentrationen von Chinolinsäure im Nervenwasser nachgewiesen.

Wenn das Stresssystem aus dem Gleichgewicht gerät

Dauerhafte Entzündungsprozesse beeinflussen zusätzlich die sogenannte HPA-Achse – das zentrale Stressregulationssystem des Körpers.

Gleichzeitig kann die Bildung wichtiger Wachstumsfaktoren wie BDNF reduziert werden, die für Anpassungs- und Regenerationsprozesse des Nervensystems benötigt werden.

Dies kann unter anderem zu folgenden Beschwerden beitragen:

• Schlafstörungen
• erhöhter Stressanfälligkeit
• verminderter Belastbarkeit
• erhöhter Schmerzempfindlichkeit
• kognitiven Einschränkungen

Die praktische Bedeutung

Das bedeutet nicht, dass jede Depression oder Angststörung durch eine Infektion verursacht wird.

Die aktuelle Forschung zeigt jedoch, dass chronische Infektionen und die dadurch ausgelöste Entzündungsreaktion bei einem Teil der Betroffenen eine relevante Rolle spielen können.

Gerade bei Patienten mit:

• therapieresistenten Verläufen
• chronischer Erschöpfung
• kognitiven Beschwerden
• multiplen unspezifischen Symptomen

kann die Betrachtung möglicher infektiologischer und immunologischer Zusammenhänge zusätzliche diagnostische Perspektiven eröffnen.

Das Wichtigste in einem Satz

Nicht der Erreger selbst im Gehirn ist häufig der entscheidende Faktor, sondern die durch ihn ausgelöste anhaltende Entzündungsreaktion, die Serotonin-, Stress- und Regenerationssysteme beeinflusst und dadurch Symptome hervorrufen kann, die einer Depression oder Angststörung ähneln oder diese verstärken.

Wenn Sie noch Fragen haben, nehmen Sie gern jederzeit Kontakt mit uns auf. Entweder telefonisch oder per Email.

📞 +49 (0) 33203 328 870
✉️ labor@sanimeus.de

Mit besten Grüßen


Ihr SaniMeus Labor-Team